Seelenfluch(t)

Blogparade #bks11: Digitale Einsamkeit

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Mein Blog ist Teil meiner Prüfungsleistung des Moduls Digitales Schreiben an der ASH in Berlin. Auch meine KommilitonInnen haben nun bis zu 12 Wochen lang wöchentlich einen Blogeitrag veröffentlicht. Bei mir stehen noch zwei Beiträge aus. Den Abschluss unseres Blog-Projekts bildet eine gemeinsame Blogparade zum Thema „Digitale Einsamkeit“. Die Links zu den anderen Blogs und Beiträgen sind auf der Seite Digital Schreiben zu finden. Bedingung war es, die oben stehenden Begriffe zu verwenden. Hier mein Beitrag:

Seit Wochen will ich dich ansprechen, aber sobald ich spüre, dass du bereit bist und ich ..?, weiche ich aus, setze mich vor den schwarzen Bildschirm, ein Spiegel meiner eigenen Leere, selbst dann noch, wenn ich den Computer einschalte und die Schwärze dem Licht weicht, bleibt er mein Spiegel, mit all seinen Bildern und Buchstaben, die nichts bedeuten, da schaue ich rein.

Um dich nicht sehen zu müssen.

Um nicht daran erinnert zu werden, dass ich das Gespräch mit dir suchen will (oder soll? Wer will das von mir?), gehe ich verloren im Buchstabensog, und meine Schreibfreiheit ist nur Illusion, ist Zwang in Wahrheit, um dir zu entkommen, meinem Follower auf ewig? Den ich nicht will, so wie ich all das gar nicht will, will nicht noch einmal leben und noch einmal, weil es viel einfacher wäre, wenn das alles wäre und nach dem Tod alles vorbei, kein Sinn und kein neues Leben und danach noch eins and so on and on and on, weil es einfacher wäre, wenn das Leben nur ein Schatten wäre und kein Date von vielen, a poor player that struts and frets his hour upon the stage and then is heard no more, a tale told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing, und ganz am Ende weder Erleuchtung noch Paradies. Und vor allem keine Wiedergeburt. Ich bin so müde. Aber wenn ich jetzt den Escape Button drücke, der mein Leben beendet, weil ich denke: Dann ist der Shitstorm vorbei und einfach nur Ruhe.

Und dann stehst du auf und sagst: Update, nächste Runde?

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10 Kommentare zu „Seelenfluch(t)

  1. Liebe Fe,

    wäre es möglich einen leeren, weißen, wortlosen Kommentar zu schreiben, hätte ich das nach mehrmaligem Lesen getan…
    *Wenn das Leben nur ein Schatten wäre*, schreibt deine Protagonistin, ich habe Tränen in dem Augen, ich lache und weine zugleich, meine Hand geht an den Bildschirm, so, als könne sie so die andere erreichen, dieser Text geht mitten hinein in die Tiefe meiner Seele, ohne Umschweife, ohne Abkürzung, mitten hinein, ins tiefe Dunkelblau…da, wo wir alle nur noch Energie sind…und was für ein Schlusssatz vor dem Finale, das ein neuer und ein neuer und ein neuer Anfang ist…
    Danke, sagt meine Seele zu deiner,
    Mia.

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  2. Liebe Fe,
    mir geht es ähnlich wie Mia. Solch ein Text macht mich erst einmal schweigen, so bewegt er mich. Welch eine Verknüpfung von digitaler Welt mit der Frage, was macht meine Seele, wenn ich nicht mehr bin. Es gibt einen Ort in den Garmischer Bergen, an dem ich ein ganz starkes Gefühl habe,dass ich da vor Jahrhunderten schon einmal zu Hause war, so sehr fühle ich mich da geborgen. Dort überkommt mich eine sonst nicht gekannte Ruhe. War meine Seele da schon einmal, will sie da wieder hin? Danke für diesen Denkanstoß.
    Liebe Grüße
    Anne

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  3. Liebe Fe,
    Ohne Umschweife, sagt Sabine, ins tiefe Dunkelblau. Ein Ringen mit dem, was bleibt, wenn nichts mehr ist oder sein soll oder sein darf. Update, Reset, auf ein Neues – und ewig grüßt das Murmeltier.

    Danke!
    Hedda

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  4. Liebe Fe,
    was für ein vielschichtiger Text. Bin tief bewegt! Dein Spiel mit den Worten finde ich sehr poetisch und von düsterer Schönheit.
    „schwarzen Bildschirm, ein Spiegel meiner eigenen Leere“ – das ist einer meiner Lieblingssätze.
    Der „Follower auf ewig“ – er bleibt im Schatten, im Ungewissen, wie der Tod – vielleicht ist er es ja selbst.
    Dein Text trägt auch deine Themen (Wiedergeburt u.a.) aus deinen früheren Blogeinträgen – eine gelungene Synthese
    Ich bin so inspiriert, dass der „poor player“ auch in meinem Text herum geistert.

    Herzliche Grüße
    Ulrike

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  5. „Sterben. Schlafen nichts weiter. Und zu wissen, dass ein Schlaf das Herzweh und die tausend Stöße endet, das ist ein Ziel auf’s Innigste zu wünschen…“ Hat Hamlet also vergessen, dass Schlafen auch immer Aufwachen beinhaltet?

    Ich stimme Ulrike zu, dein Text ist poetisch und düster und schön… und er lädt mich ein, meine Seele heute besonders intensiv zu streicheln.

    lg. mo…

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  6. Ihr lieben, eifrigen, fleißigen KommentiererInnen und MitbloggerInnen,
    habt vielen Dank für eure positiven Rückmeldungen, die mich so gefreut haben, dass es paradox ist, auf sie mit diesem Sammelkommentar zu reagieren. Es war für mich, eine beglückende Erfahrung in die Blogparade eingebunden zu sein (ich habe eure Wahnsinnstexte natürlich auch gelesen, selbst wenn mir in dieser Woche, die ganz im Zeichen der Pfingstferien stand und daher meinen Kinderchen und den häuslichen Krisen gewidmet war, fürs Kommentieren Kraft und Zeit ausgehen.
    Fe.

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