Das Dritte Auge klären

Die Walpurgisnacht – eigentlich DIE Gelegenheit des Jahres sich auseinanderzusetzen mit Hexerei und Hexenkult – ist sang- und klanglos an mir vorübergezogen, und je weiter ich mich einlasse auf mich selbst, je wichtiger und wesentlicher die inneren Vorgänge und Begegnungen mich beschäftigen, desto schwerer fällt es mir, mich vor einen Bildschirm zu setzen und mich darüber mitzuteilen.

Klar, das liegt in der Natur der Sache; ich habe über eine andere und doch verwandte Problematik im vorletzten Blogeintrag geschrieben. Es ging darum, dass meine Erkenntnisse, meine Erfahrungen während und nach einem Ritual sich nicht auf einen anderen übertragen lassen.  Jetzt stelle ich noch ein grundlegenderes Problem fest: wie massiv diese beiden Welten (die Welt der inneren Bilder und Visionen und die äußere auf Funktionalität und Effizienz ausgerichtete Plastikwelt) aufeinanderprallen. Und wie wenig kompatibel sie oft sind.

Heute möchte ich dich daher auffordern, dir mehr Zeit für dich selbst zu nehmen.

Mehr Ruhe.

Ich möchte dich auffordern, einfach mal aufzuhören.

Mit allem. Nur für ein paar Minuten. Nimm dir eine viertel Stunde.

Schalte ab.

Und dann immer wieder. Ganz bewusst während des Tages.

Wenn du es nicht tust, tut es keiner für dich.

Atme. Sei einfach ganz ruhig im Fluss mit deinem Atem. Es geht nicht darum, deine Lungen übervoll zu machen und dich aufzublähen: Atme in dich hinein, spüre den Atem, folge deinem natürlichen Atemrhythmus.

Leg dich hin.

Wie schläfst du normalerweise? Auf dem Rücken, auf der Seite? Auf dem Bauch? Weißt du noch, wie du als Kind gelegen hast? Oft gewöhnen wir uns eine Schlafposition an, die uns gar nicht entspricht. Wenn du als Kind auf dem Bauch gelegen hast, war das wahrscheinlich deine natürliche Position, in der du nachts wieder auftanken konntest. Die Bioenergetik nach Alexander Lowen unterscheidet in zwei Atemtypen: den Einatmer und den Ausatmer. Der Einatmer braucht Platz im Brustkorb und liegt auf dem Rücken. Der Ausatmer schützt den eigenen Brustkorb und liegt auf dem Bauch, den Kopf nach rechts. Hier kannst du feststellen, welcher Atemtyp du bist. Weiterentwickelt wurde dieses Prinzip von Erich Wilk und Charlotte Hagena in der Terlusollogie (von TERra, LUna, SOL; der aktive Einatmer wird auch als lunarer Atemtyp, der aktive Ausatmer als solarer Atemtyp bezeichnet)

Nun schließ die Augen und atme.

Vielleicht reicht dir das für den Moment. Vielleicht bist du aber bereit weiter mit mir zu gehen, im Versuch dein Drittes Auge zu öffnen:

Konzentriere dich auf die Stelle zwischen deinen beiden Augen. Dort sitzt dein Drittes Auge.

Stell dir helles, fast weißes Licht vor und atme weiter ruhig, deinem Atemrhythmus folgend, ohne etwas zu erzwingen, aber versuche das weiße Licht in die Stelle zwischen deinen Augen, in dein Drittes Auge, zu atmen.

Versuch dir dein Drittes Auge dort vorzustellen.

Ist es offen oder geschlossen?

Lass nun das eingeatmete Licht durch das Dritte Auge herausstrahlen und, sollte es geschlossen sein, versuch es zu öffnen.

Bleib so liegen, ganz ruhig, atme Licht und atme das Licht durch das Dritte Auge wieder aus, während du versuchst es zu öffnen.

Das klingt so leicht – tatsächlich habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass viele von uns (ich eingeschlossen) von sovielen Blockaden gehalten und behindert werden, von negativen Erlebnissen bis hin zu ernsthaften Traumata beherrscht werden, dass uns das überhaupt nicht gelingen kann.

Solltest du also feststellen, dass dir diese Übung zu früh ist, dass sie dir (noch) nicht liegt, versuche zuvor etwas anderes (hierfür musst du aber wirklich allein sein):

Bei jedem Ausatmen, kannst du tönen. Einfach einen Laut hervorstoßen. Das darf nach Urlaut klingen, völlig egal. Es geht nicht darum, ein schönes „OM“ zu formen. Du solltest dich gehen lassen, den Kiefer locker lassen, und wenn ich schreibe „hervorstoßen“, meine ich: STOßEN. Nicht formen, nicht darüber nachdenken, was kommt. Lass es raus. Lass alles raus. Das kann wie „uuug“ klingen oder wie „äääääh“, lass es mit jedem Ausatmen kommen. Wenn du dabei nicht mehr liegen willst, steh auf. Lauf herum. Trau dich!

Es ist eine sehr intensive, reinigende Arbeit, die durchaus emotional sein kann, so dass vielleicht sogar die Tränen fließen.

Lass es zu!

Erlaube dir, du selbst zu sein!

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12 Kommentare zu „Das Dritte Auge klären

  1. Liebe Fe,
    ich glaube, immer deutlicher ein Gefühl dafür zu entwickeln, was genau das heißt, wenn du schreibst:
    „…die Welt der inneren Bilder und Visionen und die äußere auf Funktionalität und Effizienz ausgerichtete Plastikwelt …“. Wie sehr wir die Eine für die andere Welt halten und die dahinter vergessen. bzw. übersehen.
    Ich habe deinen Artikel ganz pragmatisch genutzt, den Rechner ausgestellt und mich nochmal eine halbe Stunde aufs Ohr gelegt, was bei mir heißt, auf den Bauch und den Kopf nach rechts, habe ich noch nie bewusst drauf geachtet, finde ich gerade sehr spannend …
    Diese Pausen im Tag sind mir sehr vertraut, auch wenn viele das mit mir nicht in Verbindung bringen…es sind kleine Momente, in denen ich mit allem, was ich gerade tut, aufhöre und einen inneren Schalter umlege … PAUSE … Ein fokussierter Blick aus dem Fenster, ein Gang in die Küche ans Fenster, ein weit geöffnetes Fenster und nur die Geräusche des Moments …
    Danke für dein Erinnern ans Aufhören.

    Meist ist es das Schreiben, das mich aus dem Trott herausträgt und alles andere auf eine sehr entspannte Weise unterbricht …
    Liebe Grüße,
    Sabine

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  2. Liebe Sabine,
    rein intuitiv würde ich dich als lunare Einatmerin einordnen; dann wäre es gut aktiv einzuatmen, was am besten auf dem Rücken geht. Ich selbst bin solare Ausatmerin, habe aber mit meiner ersten Schwangerschaft begonnen, in Rücken- und Seitenlage zu schlafen. Danach habe ich geglaubt, in Bauchlage nicht mehr schlafen zu können. Bis ich eben von einer Bioenetgetikerin auf die Atemtypen aufmerksam gemacht wurde. Da die richtige Atmung so enorm wichtig ist, kann sie sehr zum Wohlbefinden beitragen. Du kannst ja deinen Atemtyp berechnen — den Link findest du im Beitrag.
    Und ich freue mich natürlich, dass meine Zeilen dich zum Innehalten bewegt haben. Und dass du dir noch ein kleines Schläfchen (nach schlafloser Nacht?) gegönnt hast!
    Deine Fe.

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  3. Liebe Fe,
    vielen Dank für diese guten Anregungen. Auf meine Atmung und die Lage beim Schlafen werde ich jetzt mehr achten. Habe gestern vor dem Einschlafen versucht, mich auf mein drittes Auge zu konzentrieren, hat aber nicht geklappt, weil ich nicht weiß, wie ich es mir vorstellen soll (will), es war mir zu abstrakt. Dann habe ich das „tönen“ ausprobiert. Das hat gut getan!
    Und das Innehalten und zur Ruhe kommen (vor allem gedanklich) auch während des Tages ist ein wertvolles Ritual – leider vergesse ich es zu oft.

    Es freut mich, dass für dich anlässlich des Blog-Schreibens (auch ganz ohne Walpurgisnacht) innere Vorgänge in Bewegung gekommen sind. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass dann die äußere Welt (PC und Medium Internet) zunehmend fremd erscheint und dass es irgendwie wie ein Bruch ist. Aber es ist schön, dass du deine Erfahrungen trotzdem mit uns teilst.

    Herzliche Grüße
    Ulrike

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Ulrike, das kommt mir sehr bekannt vor (sich etwas Unvorstellbares vorstellen zu sollen, wenn man das 3. Auge visualisiert). Solltest du es doch noch einmal versuchen wollen: du kannst es dir wie ein Auge vorstellen. Ich sehe es tatsächlich als großes, schön geformtes, gold umrandetes Auge mit blauer, strahlender Iris vor mir. Vielleicht habe ich das aber auch einfach von irgendwelchen Bildern.
      Ich bin froh darüber, wenn du irgendetwas von hier mitnehmen kannst, und sei es nur einen kleinen Impuls. Ich hatte bei dem Tönen letztens eine wahrlich merkwürdige Erfahrung, weil ich so außer mir war, dass mir der Speichel aus dem Mund lief und ich es nicht gemerkt habe. Das ist so befremdlich und dann auf der anderen Seite wieder toll: dass ich mir so wenig meiner selbst bewusst war, dass ich mich völlig gehen lassen konnte. Habe ich sonst eigentlich nie und finde es auch im Nachhinein noch irgendwas zwischen irritierend und einfach unglaublich befreiend.
      Herzlich, Fe.

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  4. Liebe Fe.,
    das Atmen und ich, ein ganz schwieriges Thema. Seitdem ich vor 15 Jahren in einer siebenmonatigen Panikattacke gefangen war, in der ich in jedem Moment zu ersticken glaubte, kann ich mich kaum auf den Atem konzentrieren. Tu ich das und will eigentlich nur beobachten, kommt wieder ein Anflug von Panik hoch, da stimmt was nicht, mein Atem fließt gar nicht, jetzt ist es vorbei, und ich kann mich nur daraus retten, indem ich vom Atmen weggehe. Das ist schade, denn egal ob beim AT, beim Yoga oder der Meditiation kommst du um Atemübungen nicht herum. Ich achte als Notlösung dann mehr auf andere Körperempfindungen, Geräusche, Gedanken.
    Meinen Atemtyp habe ich gleich berechnen lassen, natürlich bin auch ich eine Einatmerin und habe mich bei vielen Merkmalen der Liste auch wiedergefunden. Das ist wahrscheinlich so ähnlich wie bei den Horoskopen: ich erkenne mich als typische Fische-Frau, aber mein Handeln danach auszurichten?
    Zum Schluss mein Tönen: in den Wald gehen und schreien.
    Danke für diesen Ausflug, der mir gar nicht so fremd war!
    LG Amy

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  5. Liebe Amy,
    ja, wie du sitzt, sieht man dir die Einatmerin schon an 😉
    (und mir übrigens die Ausatmerin — leider …).
    Panikattacken kenne ich nur vom Hörensagen; ich kann mir vieles vorstellen, aber das, glaube ich, gehört zu den Erfahrungen, die einfach über meinen Vorstellungshorizont hinausgehen.
    Es klingt nach einer großen Herausforderung, die du in jedem Moment, eben bei jedem Atemzug, mit dir herumträgst. Und es klingt nach einer noch größeren Herausforderung das zu (er)lösen.
    Und bis dahin: Lass uns schreien und tönen, was das Zeug hält!
    Fe.

    Gefällt 1 Person

  6. Liebe Fe.,

    vielen lieben Dank für die schöne Übung. Ich werde sie heute Nacht machen! Irgendeiner hatte mir mal gesagt, dass die Bauchatmung die natürliche Atmung des Menschen ist. Dabei sei wichtig durch die Nase zu atmen. Ich praktiziere seit ca. 15 Jahren diese Atmung (bewusst und unbewusst). und kann sagen, dass ich seit dem u.a. viel ruhiger und entspannter geworden bin..

    Liebe Grüße
    Gökhan

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    1. Lieber Gökhan, wahrscheinlich bist du einer von wenigen, die sogar ab und zu bewusst atmen. Ich selbst habe immer wieder die Neigung die Wichtigkeit der Atmung zu unterschätzen, weil sie ja „sowieso passiert“. Dabei fällt mir dann oft erst im Nachhinein ein, dass ich dann bereits vergangene Stressmomente wahrscheinlich viel besser durch bewusstes Atmen hätte bewältigen können.
      Danke für deinen Besuch hier 🙂
      Fe.

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  7. Liebe Fe,
    vielen Dank für diesen neuen Blick auf das Atmen. Ich bin bin also eine lunare Einatmerin. Dann schlafe ich auf jeden Fall schon mal richtig.
    Das dritte Auge ist bei mir mal ein strahlender Stern, mal ein großes offenes Auge mit einer blauen Iris. Die Atemübung habe ich auch probiert mit verschiedenen Vokalen. Sie hat mich irgendwie zum lachen gebracht, so dass ich während ich dies schreibe noch immer ein fettes Grinsen im Gesicht habe.
    Dankeschön und liebe Grüße
    mo…

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